Verborgene Zille-Schätze: Berlin zeigt selten gezeigte Werke des Arbeiterchronisten

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Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung von Joseph von Frauenhofer, einem deutschen Komponisten, auf einem Blatt Papier mit etwas Text.Admin User

Verborgene Zille-Schätze: Berlin zeigt selten gezeigte Werke des Arbeiterchronisten

Eine neue Ausstellung in Berlin bringt selten gezeigte Werke Heinrich Zilles an die Öffentlichkeit. Der Künstler, berühmt für seine scharfsinnigen Darstellungen des Arbeiteralltags, hinterließ Tausende Zeichnungen – viele davon verborgen in Privatsammlungen und Museumsdepots. Nun sind einige dieser Stücke erstmals seit Jahren wieder zu sehen.

Heinrich Zille (1858–1929) wurde bekannt, weil er das harte Leben der ärmsten Berliner Familien schonungslos festhielt. Seine Skizzen zeigten enge Mietskasernen, schuftende Arbeiter und die raue Straßenwelt der Stadt. Die Berliner Arbeiterklasse nannte ihn liebevoll Pinselheinrich – eine Hommage an seine enge Verbindung zu ihrem Leben.

Zwar machte Zille mit seiner gesellschaftskritischen Kunst eine beliebte Figur, doch zeichnete er unter Pseudonym auch erotische und pornografische Blätter, um sich ein Zubrot zu verdienen. Einige dieser Werke sind heute in einer abgelegenen Ecke des Zille-Museums im Berliner Nikolaiviertel ausgestellt. Das Museum selbst besitzt keine Originale, sondern zeigt Leihgaben von Sammlern. Die größte öffentliche Sammlung von Zilles Werken lagert ungenutzt in den Depots des Märkischen Museums. Die bedeutendsten Privatbestände gehören der Heinrich-Zille-Gesellschaft in Berlin mit über 1.500 Stücken sowie dem Zille-Experten Hans-Gert von Arnim in Forst (Lausitz). Gelegentlich werden Stücke daraus in Sonderausstellungen gezeigt – wie aktuell im Märkischen Museum oder im Heinrich-Zille-Museum in Forst.

Die aktuelle Schau „Heinrich Zille – Das Original: Verborgene Werke“ läuft noch bis Juli. Sie präsentiert die ganze Bandbreite seines Schaffens: von beißender Sozialkritik bis zu filigraner Zeichentechnik. Zilles Urenkel Heinjörg Preetz-Zille dankte öffentlich den privaten Leihgebern für die Bereitstellung der wertvollen Stücke. Der Kunsthistoriker Matthias Flügge verwies darauf, dass selbst der renommierte Bildhauer Ernst Barlach Zilles Genie bewunderte. Doch Zilles Einfluss reichte über die bildende Kunst hinaus: Die Sängerin Claire Waldoff ehrte ihn mit „Dat war sein Milljöh“, einem Lied, das seine tiefe Verbundenheit mit dem Berliner Milieu feiert.

Die Ausstellung bietet eine seltene Gelegenheit, Zilles weniger bekannte Werke zu entdecken, bevor sie wieder in Privatbesitz oder Museumsdepots verschwinden. Seine Zeichnungen – berührend wie provokant – bleiben ein lebendiges Zeugnis des alten Berlin. Bis Juli können Besucher die ganze kreative Vielfalt des Künstlers erleben.

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