Warum das Misstrauen in die Demokratie immer weiter wächst – und wer davon profitiert
Mila BeckerWarum das Misstrauen in die Demokratie immer weiter wächst – und wer davon profitiert
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Misstrauen gegenüber der Demokratie wächst. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen das Vertrauen in Staat, Gerichte, Wissenschaft und Medien verlieren. Diese Entwicklungen, so seine These, erklären mit, warum rechtsextreme Bewegungen wie die deutsche AfD und Figuren wie Donald Trump an Einfluss gewinnen.
El-Mafaalani zeigt in seinen Forschungen, dass misstrauische Menschen sich zunehmend online vernetzen und dabei sogenannte "Gemeinschaften des Misstrauens" bilden. Digitale Medien ermöglichen es diesen Gruppen, sich auf Weise zu organisieren, die früher undenkbar waren. Innerhalb dieser Netzwerke vertrauen die Menschen vor allem Parteien, die sich offen gegen die liberale Demokratie stellen.
Der Soziologe warnt, dass es nicht ausreichen werde, die Versagen der AfD bloß aufzudecken, sobald sie an die Macht kommt. Selbst wenn die Partei ihre Versprechen nicht einlösen kann, werden ihre Anhänger ihre Haltung voraussichtlich nicht ändern. Populistische Strategen, erklärt El-Mafaalani, arbeiten gezielt daran, das Vertrauen in Institutionen zu untergraben – und erschweren so eine Erholung der Demokratie.
Peter Unfried, Chefredakteur des Magazins "FUTURZWEI", hat die Frage aufgeworfen, wie diesem Trend begegnet werden kann. Zwar liefert El-Mafaalanis Analyse keine vollständige Strategie, doch sie unterstreicht die Notwendigkeit neuer Ansätze. Rechtsextreme Netzwerke nutzen bereits digitale Werkzeuge, darunter auch KI, um ihren Einfluss auszubauen – besonders bei jüngeren Wählerinnen und Wählern.
El-Mafaalanis Arbeit wirft ein Licht auf die Herausforderungen, vor denen die Demokratie heute steht. Seine Erkenntnisse deuten darauf hin, dass herkömmliche Methoden zur Bekämpfung des Populismus nicht mehr ausreichen. Das wachsende Misstrauen, befeuert durch digitale Vernetzung, erfordert frische Antworten von Institutionen und Gesellschaft.






