27 March 2026, 16:17

"Sündenwald" in Manheim: Abholzung beginnt – Aktivisten droht Räumung

Gruppe von Menschen, die einen Waldweg entlanggehen, einige tragen Taschen und einer hält ein Plakat mit einem Personenbild, mit Bäumen und Treppen im Hintergrund, wahrscheinlich an einer Demonstration teilnehmend.

"Sündenwald" in Manheim: Abholzung beginnt – Aktivisten droht Räumung

Der "Sündenwald" in Manheim steht vor der unmittelbaren Rodung – die Abholzung soll in den kommenden Tagen beginnen. Bekannt für seine umstrittene Vergangenheit, diente das Gelände jahrelang als Treffpunkt für geheime Zusammenkünfte, von Trinkgelagen bis zu Drogentreffen. Nun ist ein rechtliches Betretungsverbot in Kraft getreten, während RWE das Areal für industrielle Zwecke einebnen will.

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Der letzte, etwa einen Hektar große Rest des Waldes wird seit dem Sommer 2024 von Aktivist:innen besetzt. Aktuell leben dort zwischen fünf und zehn Menschen, unterstützt von vielen weiteren, die sich gegen die Zerstörung des Gebiets stemmen. Bereits im vergangenen Jahr hatten Protestierende sich zwischen den Bäumen verschanzt und so die vollständige Abholzung vorläufig verhindert.

Die Stadt Kerpen erließ am 1. Oktober ein offizielles Verbot, das ab dem 6. Oktober um Mitternacht den Zutritt zum "Sündenwald" untersagt. Die als "Allgemeinverfügung zur Räumung eines verbleibenden Waldgebiets" betitelte Anordnung gilt bis zur vollständigen Beräumung des Geländes. RWE, dem fast das gesamte Brachland in Manheim gehört, plant, den Boden über den Braunkohlevorkommen zu nutzen, um nahegelegene Abraumhalden einebnen zu lassen.

Unterdessen ruft die Widerstandsbewegung zu öffentlicher Solidarität auf und bittet um Sachspenden wie Lebensmittel und Kleidung für die Protestierenden. Für Montag, 11:00 Uhr, ist eine Pressekonferenz vor Ort angesetzt. Der Konflikt wirft ein Schlaglicht auf die engen Verbindungen zwischen der RWE Power AG und der Kerpener Kommunalverwaltung, die durch eine "Rahmenvereinbarung für nachhaltige Zusammenarbeit" aus dem Jahr 2023 besiegelt wurden.

Die Rodung des Waldes markiert das Ende eines langjährigen Streits zwischen Aktivist:innen und Behörden. Mit dem nun verhängten Betretungsverbot droht den verbliebenen Besetzer:innen die Räumung, während RWE seine Pläne vorantreibt. Bald wird das Gelände umgenutzt – und mit ihm verschwindet die Geschichte des Waldes als Ort des Geheimen und des Widerstands.

Quelle