Schweizer Armee holt Veteranen zurück – während Satiriker Enzler sie auf die Schippe nimmt
Marie SimonSchweizer Armee holt Veteranen zurück – während Satiriker Enzler sie auf die Schippe nimmt
Das Schweizer Parlament hat einen Plan verabschiedet, ehemalige Soldaten wieder in den Militärdienst zurückzuholen. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der der Komiker Simon Enzler mit seinem neuen Programm Brenzlig auf Tour ist – einer Satire, die sich über die Landesverteidigung und ihre teils skurrilen Strategien lustig macht. Enzlers Spott reicht von chronischer Unterfinanzierung bis zu absurden Vorschlägen zur Aufrüstung der Armee.
Der für seinen scharfen politischen Witz und seinen Appenzeller Dialekt bekannte Enzler gewann 2007 den renommierten Salzburger Stier, einen der bedeutendsten Kleinkunstpreise. In seinem elften Bühnenprogramm nimmt er nun die ungewöhnlichen Rekrutierungs- und Improvisationsideen des Militärs aufs Korn.
Währenddessen treibt die Schweizer Regierung ein freiwilliges Programm voran, um pensionierte Soldaten wieder in den Dienst zu integrieren. Beide Kammern des Parlaments haben dem Vorhaben zugestimmt; nun liegt es am Bundesrat, die genauen Modalitäten auszuarbeiten.
Enzlers Brenzlig liefert unterdessen eine satirische Abrechnung mit den Lücken in Personal und Kompetenz bei der Armee. In seiner Show schlägt er vor, Golfer als Scharfschützen einzusetzen, Landfrauen als Feldküchenchefinnen zu verpflichten und Großmütter mit dem Stricken von Tarnkleidung zu beauftragen. Selbst das Alphorn, das traditionelle Schweizer Instrument, wird in seiner Fantasie zur akustischen Waffe umfunktioniert.
Doch damit nicht genug: Enzler scherzt, Gleitschirmflieger könnten als Kampfdrohnen dienen, während Wanderer feindliche Truppen durch manipulierte Wegweiser in die Irre führen. Leidenschaftliche Briefeschreiber und Verschwörungstheoretiker sähen sich in einer Propagandaeinheit gut aufgehoben, um Verwirrung zu stiften. Internet-Trolle schließlich wären seiner Meinung nach ideale Kandidaten für die psychologische Kriegsführung.
Hinter dem Humor steckt eine ernsthafte Kritik: Der Fokus des Militärs auf ehemalige Soldaten blendet andere wertvolle Fähigkeiten in der Zivilgesellschaft aus. Enzlers Programm verbindet Komik mit einer treffenden Beobachtung – dass die Schweizer Verteidigungsstrategie mehr braucht als nur wiederverwertetes Personal.
Der Bundesrat wird nun ein Rahmenkonzept für die Wiedereingliederung der Veteranen erarbeiten. Unterdessen tourt Enzlers Brenzlig weiter durchs Land und bietet dem Publikum eine unterhaltsame, aber auch zum Nachdenken anregende Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Armee. Die Satire wirft die Frage auf, ob die Schweizer Verteidigungspläne wirklich so kreativ – oder überhaupt so praxistauglich – sind, wie sie sein könnten.






