Riesige Pipeline soll Hambacher Loch mit Rheinwasser fluten – doch Kritik wächst
Henry BraunRiesige Pipeline soll Hambacher Loch mit Rheinwasser fluten – doch Kritik wächst
Ein gewaltiges 45 Kilometer langes Rohrleitungssystem wird derzeit gebaut, um das Braunkohletagebaugebiet Hambach mit Rheinwasser zu fluten. Das Vorhaben, das 2030 starten soll, leitet eine jahrzehntelange Umgestaltung des ehemaligen Abbaugebiets ein. Kritiker und Umweltschützer äußern jedoch Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität, der langfristigen Kosten und der ökologischen Risiken.
Die Pipeline wird sich über 45 Kilometer erstrecken und aus 10.000 Einzelrohren bestehen, von denen einige einen Durchmesser von bis zu 2,2 Metern haben. Ihr Zweck ist es, Wasser aus dem Rhein in den Tagebau Hambach zu leiten, wobei die Flutung ab 2030 beginnen soll. Der Prozess wird voraussichtlich 40 Jahre dauern, und selbst danach wird ein kontinuierlicher Wasserzufluss notwendig sein, um die neu entstandenen Seen zu erhalten.
Zwei weitere Tagebaue in der Region sollen ähnlich umgestaltet werden: Der Tagebau Garzweiler wird ab 2036 mit Rheinwasser geflutet, während der kleinere Tagebau Inden ab 2030 mit Wasser aus der Rur aufgefüllt werden soll. Rechtliche Klagen von Umweltverbänden wie dem BUND und dem NABU haben jedoch die Genehmigungen für die Einleitung von Rur-Wasser in Inden verzögert. Mit weiteren Bewilligungen ist vor März 2026 nicht zu rechnen, da weiterhin Bedenken wegen des Verlusts an Biodiversität und der Grundwasserentnahme bestehen.
RWE hat zwar bereits Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Pipeline-Bau erhalten, doch die endgültige Freigabe für die Einleitung in Hambach steht noch aus. Umweltaktivisten, darunter der BUND und die Initiative "Alle Dörfer bleiben", stellen die Sicherheit des Plans infrage. Sie warnen, dass das Rheinwasser Schadstoffe enthalten könnte, die die neu entstehenden Seen und die umliegenden Ökosysteme gefährden. Der lokale Kritiker Andreas Büttgen fordert strengere Reinigungsmaßnahmen, bevor Wasser umgeleitet wird. Zudem befürchtet er, dass sich RWE langfristig aus dem Projekt zurückziehen könnte – und die Steuerzahler mit den finanziellen Folgen belastet würden.
Zusätzlichen Druck auf die Wasserressourcen übt ein kürzlich von Microsoft errichtetes Hyperscale-Rechenzentrum in der Region aus. Solche Anlagen verbrauchen enorme Mengen Wasser zur Kühlung, was Sorgen vor möglichen Engpässen in einem Gebiet schürt, das bereits mit komplexen Herausforderungen im Wassermanagement kämpft.
Ziel der Flutung von Hambach, Garzweiler und Inden ist die Schaffung neuer Seen und die Renaturierung von Feuchtgebieten nördlich von Garzweiler. Bei Erfolg könnte das Projekt einen ausgeglichenen Wasserkreislauf im Rheinischen Revier etablieren. Doch anhaltende Rechtsstreitigkeiten, ökologische Warnungen und finanzielle Unsicherheiten werfen weiterhin Fragen über die Zukunft des Vorhabens auf.






