Psychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Marie SimonPsychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor, die an diesem Donnerstag stattfinden sollen. Die Kürzungen, die ab April 2026 in Kraft treten, lösen Befürchtungen aus, dass sich der Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung in der Region weiter verschlechtern könnte. Patientinnen und Patienten müssen bereits jetzt lange Wartezeiten in Kauf nehmen – im Schnitt fünf Monate bis zum Erstgespräch.
Die geplante Senkung der Erstattungssätze für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent hat unter Fachleuten Empörung ausgelöst. Die Psychotherapeutenkammer NRW warnt, dass geringere Vergütungen mehr Therapeuten dazu veranlassen könnten, privatversicherte Patientinnen und Patienten zu bevorzugen – auf Kosten von gesetzlich Versicherten. Dies könnte die Wartezeiten, die ohnehin schon ein großes Problem darstellen, noch weiter verlängern.
Die Erlangung eines Kassensitzes – der für die Behandlung und Abrechnung von gesetzlich Versicherten erforderlichen Zulassung – bleibt eine finanzielle Hürde. Moritz Esser-Wolters, Psychotherapeut in Coesfeld, investierte allein 50.000 Euro, um seine Praxis zu eröffnen. Die hohen Kosten in Kombination mit niedrigeren Einnahmen im Vergleich zu Haus- und Fachärzten machen den Beruf weniger attraktiv.
In Deutschland fehlen derzeit etwa 7.000 Kassensitze, besonders in ländlichen Regionen und in NRW. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und der Sozialverband VDK schätzen, dass dieser Mangel die Versorgungslage weiter verschärft. Ohne ausreichend zugelassene Therapeuten könnten gesetzlich Versicherte noch größere Schwierigkeiten haben, zeitnah eine Behandlung zu finden.
Die Honorarkürzungen drohen, die bestehenden Versorgungslücken in der psychotherapeutischen Behandlung zu vertiefen. Sollten sich mehr Therapeuten in die Privatpraxis zurückziehen, müssten gesetzlich Versicherte mit noch längeren Wartezeiten rechnen. Die Proteste unterstreichen die wachsende Sorge um Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit von Psychotherapie in NRW.






