Pflegekosten: Warum Experte Werding gegen frühere Belastung der Kinder warnt
Henry BraunPflegekosten: Warum Experte Werding gegen frühere Belastung der Kinder warnt
Der Wirtschaftsexperte Martin Werding hat Bedenken gegen einen Vorschlag geäußert, nach dem erwachsene Kinder früher für die Pflegekosten ihrer Eltern aufkommen sollen. Er warnt, dass eine solche Regelung ältere Menschen davon abhalten könnte, Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Stattdessen schlägt er vor, die Beiträge von kinderlosen Personen zu erhöhen – eine Lösung, die er für gerechter hält.
Im Mittelpunkt der Debatte steht eine mögliche Reform der Finanzierung der Pflegeversicherung. Bisher zahlen erwachsene Kinder einen Teil der Pflegekosten ihrer Eltern, doch die Regierung erwägt, die Einkommensgrenze, ab der diese Zahlungen fällig werden, zu senken. Werding betont, dass Kinder den Staat bereits entlasten, indem sie einen beträchtlichen Anteil der Kosten tragen.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verfolgt einen anderen Ansatz: Sie schlägt vor, den Zuschlag für kinderlose Versicherte in der Pflegeversicherung von 0,6 auf 0,7 Prozent zu erhöhen. Werding unterstützt diesen Plan, da er eine ausgewogenere Finanzierung ermöglicht, ohne Familien zusätzlich zu belasten.
Zudem befürchtet Werding, dass der ursprüngliche Vorschlag unerwünschte Folgen haben könnte. Wenn Senioren fürchten, ihren Angehörigen zur finanziellen Last zu werden, könnten sie ganz auf Sozialhilfe verzichten. Dies, so seine Warnung, könnte dazu führen, dass bedürftige Menschen die nötige Unterstützung nicht erhalten.
Die Diskussion zeigt die Spannungen im deutschen Pflegesystem auf. Werdings Alternative setzt darauf, die Beiträge von Menschen ohne Kinder anzupassen, statt Familien stärker in die Pflicht zu nehmen. Die endgültige Entscheidung der Regierung wird maßgeblich beeinflussen, wie die Pflege in den kommenden Jahren finanziert wird.






