04 April 2026, 12:17

Joey Skaggs' genialer Aprilscherz entlarvt die Medien – seit 30 Jahren

Zeichnung eines Mannes in Zylinder und Frack vor einer Menge, mit einem Pfahl und einem Zaun im Hintergrund und dem Text "Aprilscherz" unten.

Joey Skaggs' genialer Aprilscherz entlarvt die Medien – seit 30 Jahren

Seit mehr als drei Jahrzehnten narrt Joey Skaggs die New Yorker Medien mit seinem jährlichen Aprilscherz-Umzug. Die angeblich entlang der Fifth Avenue stattfindende Veranstaltung gibt vor, das Absurde zu feiern und Autoritäten herauszufordern. Doch trotz aufwendiger Pressemitteilungen und großer medialer Aufmerksamkeit findet der Umzug selbst so gut wie nie wie angekündigt statt.

Die diesjährige Ankündigung lädt die Teilnehmer ein, die Realität mit einer satirischen Prozession infrage zu stellen, angeführt von einem fiktiven Präsidenten. Im Anschluss soll ein "Melania-Mockumentary" gezeigt werden, begleitet von Lesungen aus geschwärzten Epstein-Akten. Skaggs, einst ein ernsthafter Künstler, heute ein Provokateur, nutzt den Streich, um das öffentliche Vertrauen und die Glaubwürdigkeit der Medien auf die Probe zu stellen.

Seine Karriere begann Skaggs als konventioneller Künstler, doch in den 1980er-Jahren wandte er sich der Satire zu. Seine Scherze – wie die "Promi-Samenbank" oder das "Katharsis-Lounge"-Projekt – täuschten große Medienhäuser wie die New York Times und die BBC. Journalisten veröffentlichten die Geschichten zunächst als Fakten, bevor sie peinliche Richtigstellungen nachreichen mussten.

Seine Methode: Ein ganzes Jahr lang arbeitet er an ausgefeilten Pressemitteilungen, in denen er reale Zeitungsausschnitte mit Fiktion vermischt. Sein Ziel ist es, aufzudecken, wie leicht Institutionen und Medien unbestätigte Behauptungen akzeptieren. Frühere Umzüge sollten etwa einen Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb oder eine Y2K-Apokalypse-Party bieten – doch die Realität hielt nie mit der Ankündigung mit.

Skaggs steht mit dieser Tradition nicht allein da. 1985 veröffentlichte Sports Illustrated eine Geschichte über "Sidd" Finch, einen Mets-Pitcher, der angeblich 270 km/h werfen konnte – später entlarvte sich der Artikel als Aprilscherz des Reporters George Plimpton. 1998 wiederum gab David Bowie eine Eröffnungsfeier für einen erfundenen Verlag, bei der der Schriftsteller William Boyd später zugab, dass das gesamte Unternehmen frei erfunden war.

Im Laufe der Jahre mussten sich Opfer solcher Streiche – von Universitäten bis zu Regierungsbehörden – beeilen, ihre Täuschung abzustreiten oder sich dafür zu entschuldigen. Während manche die Täuschungen kritisieren, argumentieren andere, sie würden grundlegende Schwächen in der Medienkontrolle und im institutionellen Vertrauen offenbaren.

Die diesjährige Pressemitteilung zum Umzug spielt mit den Themen Wahrheit und Illusion und spiegelt Skaggs' langjährige Kritik an blindem Glauben wider. In der Vergangenheit erschienen Schulkapellen und Fernsehteams, nur um festzustellen, dass es keine prunkvolle Parade gab. Doch der Scherz bleibt bestehen – eine jährliche Erinnerung daran, wie Satire die Kluft zwischen Wahrnehmung und Realität aufdecken kann.

Ob man es als Kunst oder als Unfug betrachtet: Die Tradition unterstreicht eine einfache Tatsache – in einer Zeit rasanter Informationsflut kann selbst das Absurdeste für einen Moment als Wahrheit durchgehen.

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