Forscher entschlüsseln, wie moderner Lebensstil chronische Entzündungen auslöst
Henry BraunForscher entschlüsseln, wie moderner Lebensstil chronische Entzündungen auslöst
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die zweite Förderphase für den Sonderforschungsbereich (SFB) 1454 mit dem Titel „Metaflammation und zelluläre Programmierung“ bewilligt. Der an der Universität Bonn angesiedelte Verbund vereint Wissenschaftler:innen mehrerer Einrichtungen, um zu erforschen, wie moderne Lebensstile chronische Entzündungen begünstigen. Im Fokus stehen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Störungen, neurodegenerative Leiden und das metabolische Syndrom – allesamt mit anhaltenden, schwelenden Entzündungsprozessen verbunden.
Am SFB beteiligen sich Forscher:innen der Universität Bonn, der Technischen Universität Braunschweig sowie des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung. Ihr Ziel ist es, die molekularen und zellulären Mechanismen hinter der Fehlprogrammierung von Immunzellen zu entschlüsseln – einen Prozess, den sie als „Metaflammation“ bezeichnen. Indem sie untersuchen, wie Ernährung, Stress und andere Faktoren des westlichen Lebensstils die Immunfunktion stören, hoffen sie, neue Ansatzpunkte für Therapien zu finden.
Ein entscheidender Durchbruch gelang der Arbeitsgruppe von Professor Karsten Hiller, die in Immunzellen ein neuartiges entzündungshemmendes Molekül namens Mesaconat identifizierte. Zudem beobachtete das Team, dass entzündete Makrophagen – zentrale Akteure des Immunsystems – einen drastischen Rückgang der Aminosäure Aspartat aufweisen. Diese Entdeckung deutet darauf hin, dass Aspartat eine Schlüsselrolle bei der Regulation von Entzündungen spielen könnte, und wirft neue Fragen zu den Folgen seines Mangels auf.
Die Technische Universität Braunschweig leistet dabei einen wesentlichen Beitrag, insbesondere im Bereich des metabolischen Profilings. Mithilfe hochmoderner Massenspektrometrie analysieren Forscher:innen dort Metabolite in Zellen, Geweben und Körperflüssigkeiten. Diese Technologie ermöglicht es, die stoffwechselbedingten Veränderungen im Zusammenhang mit Entzündungen abzubilden und so tiefere Einblicke zu gewinnen, wie Lebensstilfaktoren Immunreaktionen umprogrammieren.
In der anstehenden Phase konzentrieren sich die Wissenschaftler:innen auf zwei zentrale Fragen: Warum sinken die Aspartat-Werte in entzündeten Makrophagen so stark, und wie verändert dieser Verlust ihr Verhalten? Die Antworten könnten Aufschluss darüber geben, wie sich chronische Entzündungen entwickeln – und wie sie sich möglicherweise kontrollieren lassen.
Die zweite Förderphase ermöglicht es dem SFB, seine Untersuchungen zu den metabolischen Ursprüngen der Metaflammation auszuweiten. Durch die institutionenübergreifende Zusammenarbeit und den Einsatz modernster Technologien zielt die Forschung darauf ab, spezifische Mechanismen hinter der Fehlfunktion von Immunzellen zu identifizieren. Die Erkenntnisse daraus könnten langfristig Strategien zur Vorbeugung oder Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen inspirieren.






