Digitale Gewalt unter Jugendlichen: Wie Schulen und Eltern reagieren müssen
Henry BraunDigitale Gewalt unter Jugendlichen: Wie Schulen und Eltern reagieren müssen
Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen: Ein wachsendes Problem in Deutschland
Fast die Hälfte aller Minderjährigen in Deutschland hat bereits Formen sexualisierter Belästigung im Netz erlebt – das zeigen aktuelle Studien. Das Thema rückt zunehmend in den Fokus, nicht zuletzt durch öffentliche Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann. Der Fall macht deutlich, wie digitale Gewalt oft von Personen ausgeht, die den Betroffenen bekannt sind.
Drei Jahre lang führte die Pädagogin Yasmina Ramdani in Thüringens Schulen Präventionsworkshops durch und erreichte rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klassen. Mit interaktiven Methoden wie einem Bingospiel thematisierte sie digitale Risiken und erklärte Begriffe wie Cybergrooming – eine Taktik, bei der Täter Jugendliche online manipulieren, um sie später zu missbrauchen. Fast ein Viertel der Minderjährigen gab 2025 an, bereits damit konfrontiert worden zu sein.
Viele Vorfälle spielen sich in Freundeskreisen oder Klassenchats ab, oft aus Naivität oder Gruppendruck. Lehrkräfte erkennen zwar die Dringlichkeit des Problems, fühlen sich aber häufig überfordert. Auch Eltern werden aufgefordert, durch vorbildhaftes Verhalten und klare Gespräche über Grenzen ihrer Kinder vorzubeugen.
Fachleute betonen, dass frühzeitige Aufklärung langfristig Kosten spart – etwa im Vergleich zu den Folgen unbewältigter Traumatisierungen. Doch bundesweite Daten, wie viele Schulen seit dem Ende des Thüringer Pilotprojekts ähnliche Programme eingeführt haben, fehlen.
Die Workshops in Thüringen zeigten, wie strukturierte Aufklärung Jugendliche befähigen kann, digitale Gefahren zu erkennen und richtig zu reagieren. Angesichts der Tatsache, dass fast jedes zweite Kind betroffen ist, stehen Schulen und Familien unter Handlungsdruck. Nun stellt sich die Frage, ob weitere Bundesländer mit eigenen Präventionsinitiativen nachziehen werden.






