"Bloodbook" feiert rauschhafte Bühnenpremiere in Berlin mit dreifacher Kim
Henry Braun"Bloodbook" feiert rauschhafte Bühnenpremiere in Berlin mit dreifacher Kim
Die Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman feierte am Dienstagabend Premiere. Die Uraufführung im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg lockte ein ausverkauftes Haus. Drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – teilen sich in dieser mutigen Inszenierung die Rolle der Protagonistin Kim.
Der Roman, der 2022 sowohl mit dem Deutschen Buchpreis als auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, erkundet transgenerationale Traumata und die verborgenen Geschichten einer mütterlichen Blutlinie. Auf der Bühne entfaltet sich die Erzählung unter einem flackernden, roten Neonschild mit der Aufschrift "Bloodbook", das vor einem weißen Fransenvorhang hängt. Über den Darsteller:innen baumeln zerschlissene, beige Strumpfhosen von der Decke, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln.
Kims Reise dreht sich um das Brechen des Schweigens und die Verwandlung von Scham in Selbstakzeptanz in einem genderfluiden Körper. Die Hauptfigur lehnt binäre Definitionen ab und besteht darauf, dass ihr Körper keine festen Grenzen kennt. Ein wiederkehrendes Symbol der Sicherheit ist die Blutbuche, die einst von Kims Urgroßvater gepflanzt wurde.
Nach neunzig intensiven Minuten legen die drei Performenden gemeinsam das "Große Meer" zur Ruhe. Der Höhepunkt der Inszenierung kommt, als sie das Schweigen zerschlagen, das Kims Geschichte einst gefangen hielt.
Die ausverkaufte Premiere markiert einen kraftvollen Übergang vom Buch zur Bühne für Kim de l'Horizons Werk. Mit ihren eindringlichen Bildern und der geteilten Erzählweise bringt das Stück die Themen Identität und Herkunft des Romans zum Leben. Die Adaption steht nun als Zeugnis für die anhaltende Wirkung des Originalwerks.






