Bergisch Gladbach droht 50-Millionen-Loch – Steuern sollen Haushalt retten
Mila BeckerBergisch Gladbach droht 50-Millionen-Loch – Steuern sollen Haushalt retten
Bergisch Gladbach steht vor wachsenden finanziellen Herausforderungen – bis 2026 droht ein jährliches Haushaltsdefizit von 50 Millionen Euro. Der Stadtkämmerer Thore Eggert warnte, dass die Kommune ohne Gegenmaßnahmen bereits in den nächsten zwei Jahren einen Großteil ihrer finanziellen Handlungsspielräume verlieren könnte. Diese Einschätzung präsentierte er kürzlich auf einer Veranstaltung der BürgerAkademie, wo er sowohl Risiken als auch geplante Zukunftsinvestitionen skizzierte.
Im Haushalt 2026 sind 126 Millionen Euro für zentrale Vorhaben eingeplant. Die Mittel sollen in Schulen, Straßenausbau und die Umgestaltung des ehemaligen Zanders-Industriegeländes fließen. Eggert bezeichnete die Neunutzung des Zanders-Areals als "kluge Investition" und "große Chance" für Bergisch Gladbach – betonte jedoch, dass das Projekt nicht dazu dienen werde, das Haushaltsloch zu stopfen.
Trotz der geplanten Ausgaben räumte Eggert ein, dass nicht alle Mittel tatsächlich abfließen könnten. Ein Mangel an Fachkräften und Baufirmen drohe, Projekte zu verzögern oder gar zu blockieren. Gleichzeitig plädierte er für eine moderate Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuern, die der Stadt jährlich rund vier Millionen Euro zusätzlich einbringen würde. Ohne diese Anpassung, so seine Warnung, werde sich die finanzielle Eigenständigkeit Bergisch Gladbachs bis 2027 spürbar verschlechtern.
Als parteiloser Beigeordneter vertritt Eggert die Stadtverwaltung und nicht eine politische Fraktion. Der über 500 Seiten starke Haushaltsentwurf wird in der Regel noch vor Jahresende vom Stadtrat beschlossen. Doch seine Komplexität macht es Bürgerinnen und Bürgern oft schwer, die Pläne nachzuvollziehen.
Nun steht die Stadt vor der Entscheidung: Steuern erhöhen, um die Finanzierung zu sichern – oder riskieren, in den kommenden Jahren die Kontrolle über die eigenen Haushaltsmittel zu verlieren. Der 126-Millionen-Plan bleibt zwar bestehen, doch sein Gelingen hängt davon ab, den Fachkräftemangel zu überwinden und stabile Einnahmen zu sichern. Die endgültige Beschlussfassung des Rates über den Haushalt wird den finanziellen Kurs Bergisch Gladbachs für 2026 und darüber hinaus maßgeblich prägen.