Wie der Ford-Streik 1973 in Köln die Rechte von Migrant:innen veränderte
Henry BraunWie der Ford-Streik 1973 in Köln die Rechte von Migrant:innen veränderte
Ein neues Buch untersucht den Ford-Streik von 1973 in Köln – einen Wendepunkt im Kampf von Migrant:innen gegen Ausbeutung
Der Arbeitskampf, der gewaltsam von Polizei und Werksschutz niedergeschlagen wurde, markierte den Beginn der Selbstermächtigung von Migrant:innen in Deutschland. Der von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis herausgegebene Band beleuchtet das Erbe des Streiks und seinen Einfluss auf spätere Arbeitskämpfe.
Am 30. August 1973 legten Migrant:innen im Ford-Werk Köln die Arbeit nieder, um gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen zu protestieren. Sie forderten eine zusätzliche D-Mark pro Stunde und eine gerechtere Behandlung. Als Polizei und Sicherheitskräfte eingriffen – unterstützt von einigen deutschen Beschäftigten –, eskalierte die Situation in Gewalt. Trotz der brutalen Niederschlagung wurde der Streik zu einem Meilenstein für die Rechte von migrantischen Arbeiter:innen.
Das Buch mit dem Titel "Der Streik hat mir als jungem Menschen Kraft gegeben. Migrantische Kämpfe gegen Ausbeutung und Rassismus" versammelt unterschiedliche Perspektiven auf die Auswirkungen des Arbeitskampfs. Die Beiträger:innen diskutieren die Rollen des Betriebsrats und der IG Metall, wobei es zwischen Witich Rossmann und Nihat Öztürk kontroverse Standpunkte gibt. Zudem rückt der Band andere Streiks des Jahres 1973 in den Fokus, etwa bei Pierburg in Neuss und Hella in Lippstadt, wo migrantische Frauen führende Rollen übernahmen.
Über die historische Aufarbeitung hinaus verbindet das Buch die Kämpfe von damals mit heutigen Bewegungen – etwa denen von Fahrradkurier:innen, die sich von den Ford-Streikenden inspirieren lassen. Der 467-seitige Hardcover-Band erscheint 2025 im Verlag Die Buchmacherei und kostet 22 Euro.
Der Ford-Streik von 1973 bleibt eine zentrale Referenz für antirassistische und gewerkschaftliche Bewegungen. Das Buch dokumentiert seine anhaltende Bedeutung und verknüpft ihn mit den aktuellen Kämpfen für faire Arbeitsbedingungen. Es sorgt dafür, dass die oft vergessenen Geschichten von migrantischen Arbeiter:innen bewahrt und gewürdigt werden.






