Weidemilch: Warum nicht alle Labels artgerechte Haltung garantieren
Deutsche Verbraucher, die nach Milch von Weidekühen suchen, stehen oft vor einer verwirrenden Auswahl. Zwar suggerieren Bezeichnungen wie Weidemilch eine artgerechte Haltung im Freien – doch nicht alle garantieren dieselben Standards. Ein genauerer Blick offenbart deutliche Unterschiede in Haltung und Behandlung der Milchkühe.
Milch mit dem Label Weidemilch muss zwar von Kühen stammen, die mindestens 120 Tage im Jahr auf der Weide grasen. Der Begriff selbst ist jedoch nicht rechtlich geschützt, sodass die Kriterien variieren können. Den Rest des Jahres verbringen diese Tiere oft in Ställen – nicht immer unter tierfreundlichen Bedingungen.
Einige Zertifizierungen sichern zu, dass Kühe niemals angebunden werden. Dazu zählen Pro Weideland, das Premium-Siegel Für mehr Tierschutz sowie Bio-Labels. Auch Weidemilch-Verpackungen mit den Haltungsform-Kennzeichen 3, 4 oder 5 schließen eine Anbindung aus. Fehlen solche Hinweise, können die Tiere ihr ganzes Leben in Boxen verbringen.
Sabine Klein vom Verbraucherzentrale NRW erklärt die Unterschiede in den Haltungsbedingungen: Milch mit alleinigem Haltungsform-Stufe-3-Siegel stamme oft von Kühen, die dauerhaft im Stall gehalten werden – es sei denn, es ist zusätzlich Weidemilch deklariert. Auf der Website der Organisation finden Verbraucher detaillierte Erläuterungen zu den einzelnen Labels.
Aktuell gibt es in Deutschland keine standardisierte Milchverpackung, die explizit garantiert, dass Kühe niemals angebunden werden. Diese fehlende Transparenz erschwert es Käufern, nachzuvollziehen, wie die Tiere außerhalb der Weidezeit gehalten werden.
Die Verbraucherzentrale NRW rät daher, gezielt nach bestimmten Siegeln Ausschau zu halten, um höhere Tierschutzstandards zu erkennen. Kühe mit Weidegang sind in der Regel gesünder und ausgeglichener. Doch ohne klare und einheitliche Kennzeichnung bleibt es für Verbraucher schwierig, Milch von wirklich freilaufenden Herden zu identifizieren.






