Über 1.100 Prominente verteidigen Freiheit von Kunst und Wissenschaft gegen politischen Druck
Marie SimonOffener Brief warnt vor politischem Druck auf Universitäten - Über 1.100 Prominente verteidigen Freiheit von Kunst und Wissenschaft gegen politischen Druck
Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturfachleute haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die akademische und künstlerische Freiheit in Deutschland verteidigen. Der Appell erfolgt vor dem Hintergrund eines heftigen Streits um eine Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif an der Kunstakademie Düsseldorf. Zu den Unterzeichnenden zählen der Fotograf Wolfgang Tillmans und die Philosophin Susan Neiman, die vor einer wachsenden politischen Einflussnahme auf Universitäten und Kultureinrichtungen warnen.
Ausgelöst wurde die Kontroverse im Januar 2026, als zionistische Gruppen und jüdische Wissenschaftler:innen al-Sharif Antisemitismus vorwarfen. Vor ihrem geplanten Vortrag und einer Filmvorführung an der Düsseldorfer Kunstakademie kam es zu Protesten. Obwohl die Akademie den öffentlichen Zugang einschränkte, fand die Veranstaltung am 16. Februar 2026 statt – nach einer rechtlichen Prüfung, die ergab, dass ihre Äußerungen strafrechtlich nicht relevant seien und unter die Meinungsfreiheit fielen.
Kurz darauf folgte eine Petition, die den Rücktritt der Rektorin Donatella Fioretti forderte. Über 700 Unterzeichnende, darunter Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller und der Antisemitismus-Beauftragte Wolfgang Rolshoven, unterstützten diesen Aufruf. Fioretti lehnte einen Rücktritt ab und argumentierte, dass politischer Druck die institutionelle Unabhängigkeit gefährde.
Die Initiator:innen des offenen Briefs kritisieren nun eine Formulierung des Wissenschaftsausschusses von Nordrhein-Westfalen, die ihrer Meinung nach grundlegende Freiheitsrechte unberechtigt unter Generalverdacht stelle. Sie fordern die Abgeordneten auf, die verfassungsmäßigen Schutzrechte zu bekräftigen – darunter Artikel 5 des Grundgesetzes, der Kunst, Wissenschaft und auch unpopuläre Meinungen schützt. Fioretti wird an diesem Mittwoch vor einer Sondersitzung des Kulturausschusses des Landtages aussagen.
Die Unterzeichnenden betonen, dass politischer Druck auf Hochschulleitungen ein gefährliches Präzedenzfall sein könnte. Sie argumentieren, dass akademische und künstlerische Freiheit frei von staatlicher Einflussnahme bleiben müssten. Die Debatte hält an, während Kultureinrichtungen zunehmend unter Beobachtung stehen, was ihre Programmgestaltung betrifft.