Renaults radikale Wende: Batterien als Vermögenswerte statt Müll
Renault revolutioniert seine Lieferkette für Elektroauto-Batterien, indem es Batterien nicht länger als Wegwerfteile, sondern als hochwertige Vermögenswerte behandelt. Das neue Konzept des Konzerns setzt auf Kreislaufwirtschaft, bei dem jeder Partner im Netzwerk gleichzeitig Lieferant und Kunde ist. Mit diesem Wandel will das Unternehmen Lagerbestandsprobleme lösen und gleichzeitig die Effizienz in Produktion, Logistik und Recycling steigern.
In einem Interview mit Automotive Logistics erläuterte Israfil Beker, bei Renault Group verantwortlich für die Aftersales-Lieferkette im Bereich Elektromobilität, wie Echtzeitdaten und strategische Partnerschaften diese Transformation vorantreiben. Seit dem Start der Batteriestrategie 2023 hat Renault ein ganzheitliches Lieferkettenmodell für E-Auto-Batterien in Europa aufgebaut. Ein entscheidender Meilenstein war 2024 die Einführung der Plattform Electroverse, die Echtzeitdaten aus Bergbau, Fertigung und Recycling zusammenführt. Bis Anfang 2026 soll das System eine 95-prozentige Transparenz über die gesamte Lieferkette ermöglichen.
Die Komplexität der Batterielogistik stellt jedoch erhebliche Herausforderungen dar. Batterien machen bis zu 30 Prozent des Fahrzeugwerts aus, gelten aber als Gefahrgut und unterliegen unvorhersehbaren regulatorischen Vorgaben. Allein in Deutschland variieren die Handhabungsvorschriften je nach Bundesland, was die Prozesse zusätzlich erschwert. Um die Abläufe zu optimieren, arbeitet Renault mit Unternehmen wie DP World zusammen, das ab 2025 KI einsetzt, um den Transport zu verfolgen und zu steuern. Auch die Händler sind über die myRenault-App eingebunden: Sie überwachen den Batteriezustand und ermöglichen vorausschauende Wartung.
Renaults Strategie erstreckt sich zudem auf den Aftersales-Bereich. Ein Batterie-Tauschprogramm soll Reparaturzeiten verkürzen und Fahrzeuge schneller wieder auf die Straße bringen. Ziel ist ein voll vernetztes System, in dem Materialien in mehrere Richtungen fließen – von den Rohstofflieferanten bis zu den Recyclern –, um Abfall zu minimieren und die Ressourcennutzung zu verbessern.
Das kreislauforientierte Lieferkettenmodell von Renault zielt darauf ab, Ineffizienzen abzubauen und sich gleichzeitig an strenge, länderspezifische Vorschriften anzupassen. Durch die Integration von Echtzeitdaten, KI-gestützter Logistik und der Zusammenarbeit mit Händlern soll bis 2026 die Transparenz und Steuerung deutlich verbessert werden. Da Batterien einen erheblichen Teil des Fahrzeugwerts ausmachen, könnte dieser Ansatz langfristig die Art und Weise verändern, wie Automobilhersteller hochpreisige Komponenten managen.






