NRW-Städte streichen Namen belasteter Kardinäle von Straßenschildern
Immer mehr Städte in Nordrhein-Westfalen setzen sich dafür ein, Straßen umzubenennen, die mit zwei ehemaligen Kardinälen in Verbindung stehen. Der Vorstoß folgt auf eine Universitätsstudie, die ihre Rolle bei der Vertuschung von Missbrauchsfällen aufgedeckt hat. Erst vergangene Woche kündigte Paderborns Oberbürgermeister an, einen Platz und eine Straße umzubenennen, die bisher die Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt ehren.
Nun diskutieren auch Arnsberg, Werl und Wenden ähnliche Änderungen – unterstützt von politischen Parteien und Anwohnern, die sich für ein Umdenken einsetzen.
Die Debatte entbrannte nach einer Mitte März veröffentlichten Studie, die detailliert beschreibt, wie die Kardinäle Jaeger und Degenhardt Missbrauchsfälle systematisch verschleiert haben. Jaeger, der von 1941 bis 1973 das Erzbistum Paderborn leitete, wurde in den Erkenntnissen direkt belastet. Auch sein Nachfolger Degenhardt stand in der Kritik, die Vorfälle nicht aufgearbeitet zu haben.
Als Reaktion darauf bestätigte Paderborns Oberbürgermeister Stefan-Oliver Strate, dass der Kardinal-Degenhardt-Platz und die Kardinal-Jaeger-Straße umbenannt werden. Die Entscheidung fiel kurz nach Veröffentlichung der Studie, die sofort öffentlichen Druck auslöste.
In Arnsberg fordern nun CDU und SPD gemeinsam, die Kardinal-Jaeger-Straße im Stadtteil Neheim umzubenennen. Die SPD verwies auf dokumentierte Beweise für Jaegers Fehlverhalten in Missbrauchsfällen. Die CDU, die den Kardinal bisher unterstützt hatte, änderte ihre Haltung und stimmte dem Vorhaben zu.
Für den 20. April ist in Arnsberg eine öffentliche Versammlung geplant, bei der Anwohner Vorschläge für neue Straßennamen einbringen können. Beide Parteien betonen, wie wichtig die Einbindung der Bevölkerung ist. Ähnliche Diskussionen laufen in Werl und Wenden, wo Anwohner jedoch mit bürokratischen Hürden rechnen müssen, falls die Umbenennungen umgesetzt werden.
Der Druck zur Umbenennung ist nicht neu: Bereits 2023 entfernte Olpe den Namen Jaegers von einem katholischen Jugendzentrum und benannte es um.
Die Initiativen spiegeln eine breitere Auseinandersetzung mit dem Erbe des Missbrauchs in der katholischen Kirche wider. Falls die Pläne in Arnsberg, Werl und Wenden genehmigt werden, folgen sie dem Vorbild Paderborns und streichen damit Ehrungen für die diskreditierten Kardinäle. Die lokalen Behörden warten nun auf das Feedback der Bürger, bevor endgültige Entscheidungen fallen.






