Mevlüde Genç: Vom Opfer rechtsextremer Gewalt zur Symbolfigur der Versöhnung
Henry BraunMevlüde Genç: Vom Opfer rechtsextremer Gewalt zur Symbolfigur der Versöhnung
Mevlüde Genç verlor bei einem rechtsextremen Brandanschlag am 29. Mai 1993 fünf Familienmitglieder. Die Tragödie prägte ihr Leben, doch sie setzte sich fortan für Versöhnung und Toleranz ein. Ihre Bemühungen fanden in ganz Deutschland Anerkennung.
In der Nacht zum 29. Mai 1993 kamen bei einem rechtsextremen Brandanschlag fünf Mitglieder der Familie Genç ums Leben. Mevlüde Genç überlebte, ihr Sohn Bekir erlitt jedoch schwere Verbrennungen, unter denen er noch heute leidet. Die fünf Täter wurden 1997 wegen Mordes zu Haftstrafen von 15 und 10 Jahren verurteilt.
Nach dem Anschlag entschied sich Genç für die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie wurde zu einer engagierten Fürsprecherin für Toleranz, Freundschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt – ein Einsatz, der nicht unbemerkt blieb. 1996 erhielt sie für ihren Kampf gegen Rassismus das Bundesverdienstkreuz. Nordrhein-Westfalen ehrte sie 2018 zusätzlich mit der Einführung der Mevlüde-Genç-Medaille.
Ihr Einsatz für Versöhnung fand breite Würdigung. Johannes Rau lobte zum 10. Jahrestag des Anschlags die versöhnliche Haltung der Familie Genç. Iris Preuß-Buchholz hob ihre Hingabe für ein friedliches Miteinander hervor, während Sebastian Haug ihr Engagement bewunderte. Armin Laschet bezeichnete sie einst als „die beeindruckendste Frau, der ich je begegnet bin“.
Mevlüde Genç’ Geschichte ist eine von Widerstandskraft und dem unermüdlichen Einsatz für Einheit. Die Auszeichnungen und die nach ihr benannte Medaille spiegeln die nachhaltige Wirkung ihres Wirkens wider. Die Anerkennung durch politische Persönlichkeiten unterstreicht ihren Einfluss bei der Förderung von Versöhnung und gesellschaftlichem Frieden.
