10 April 2026, 14:21

Einsamkeit und fehlende Hilfe: Das stille Leid älterer Migranten in Deutschland

Zeichnung eines mehrstöckigen Gebäudes mit zahlreichen Fenstern und einem Schornstein, das als psychiatrische Klinik in Deutschland identifiziert wurde, mit handgeschriebener Schrift auf dem Papier.

Einsamkeit und fehlende Hilfe: Das stille Leid älterer Migranten in Deutschland

Vor über 60 Jahren warb Deutschland im Ausland Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Darunter waren auch die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, die mit der Erwartung einer vorübergehenden Bleibe einreisten. Ihre Geschichte steht exemplarisch für die Schicksale vieler älterer Migrantinnen und Migranten – geprägt von Einsamkeit und ungedecktem Bedarf an psychischer Gesundheitsversorgung.

Fatih Çevikkollus Vater, ein ausgebildeter Schlosser, und seine Mutter, eine qualifizierte Grundschullehrerin, verließen in den 1960er-Jahren die Türkei. Ihr Plan: Nach einigen Jahren des Geldverdienens in Deutschland in die Heimat zurückkehren. Damals galt noch das "Rotationsprinzip", das jedoch in den 1970er-Jahren aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen und des Arbeitskräftebedarfs in der Türkei abgeschafft wurde.

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Çevikkollus Mutter arbeitete in Deutschland als Näherin – ein Beruf, der weit unter ihrer Qualifikation lag. Dieser "Statusverlust" traf sie schwer. In späteren Jahren lebte sie allein, litt unter einer psychischen Erkrankung – vermutlich einer Psychose – und erhielt doch nie angemessene Behandlung.

Ältere Migrantinnen und Migranten wie sie sind häufig von Isolation betroffen, die psychische Probleme noch verschärft. Nur etwa zehn Prozent der Hilfebedürftigen finden den Weg in psychotherapeutische Praxen oder Kliniken. Kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Krankheiten erschweren die Behandlung zusätzlich. Fachleute betonen, wie dringend kultursensible medizinische und therapeutische Ansätze nötig sind, um diese Lücke zu schließen.

Aktuell sind interkulturelle Angebote in der psychischen Gesundheitsversorgung jedoch noch immer begrenzt. Ein Ausbau könnte den Zugang erleichtern und das Verständnis für Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund verbessern.

Die Erfahrungen von Çevikkollus Familie verdeutlichen die langjährigen Herausforderungen, vor denen ältere Migrantinnen und Migranten in Deutschland stehen. Ohne gezielte Unterstützung leiden viele weiter im Stillen. Eine bessere interkulturelle Gesundheitsversorgung könnte helfen, ihre spezifischen Bedürfnisse zu erfüllen und Hürden bei der Behandlung abzubauen.

Quelle