Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie ein Straßenmagazin Obdachlosen Würde schenkt
Marie SimonDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie ein Straßenmagazin Obdachlosen Würde schenkt
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – eine Lebensader für obdachlose Verkäufer:innen – verzeichnet einen drastischen Rückgang der monatlichen Auflage. Noch vor einigen Jahren wurden 40.000 Exemplare verkauft, heute kämpft das Straßenmagazin damit, auch nur 12.000 zu erreichen. Der Schwund spiegelt eine bundesweite Krise wider, die Straßenzeitungen in ganz Deutschland betrifft: sinkende Verkaufszahlen im Printbereich und eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen verschärfen die Lage.
Gegründet wurde "fiftyfifty" von Hubert Ostendorf als Möglichkeit für Obdachlose, auf würdige Weise Geld zu verdienen. Die Verkäufer:innen behalten die Hälfte des Verkaufspreises – aktuell kostet das Magazin 3,40 Euro, eine Erhöhung, die die steigenden Kosten decken soll. Doch das Blatt bietet mehr als nur Einkommen: Es vermittelt Zugehörigkeit und Schutz für Menschen, die auf der Straße leben.
Das Magazin erscheint sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form, wobei die Online-Version an ein Rubbellos erinnert. Die Einnahmen aus dem Verkauf finanzieren das Projekt, während Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie zusätzliche soziale Initiativen wie "Housing First" oder Straßenhilfe unterstützen. Dennoch bleibt "fiftyfifty" von den gleichen Problemen betroffen wie andere deutsche Straßenmagazine.
Zwischen 2015 und 2025 büßten mindestens fünf große Titel – darunter das "Berliner Stadblatt" und der "Strassenfeger Hamburg" – mehr als die Hälfte ihrer Auflage ein. Rassismus und Ablehnung, vor allem gegenüber Verkäufer:innen mit Migrationshintergrund, haben die Situation weiter verschärft. Um zu überleben, setzen einige Magazine mittlerweile auf Spenden-Apps, Kooperationen mit Ride-Sharing-Diensten oder Crowdfunding für Druckkosten. Hybridveranstaltungen, die Printverkäufe mit Online-Streaming verbinden, sind eine weitere Strategie, um sich über Wasser zu halten.
Doch "fiftyfifty" ist mehr als eine Einnahmequelle: Es fungiert als Sprachrohr, das auf Ungerechtigkeiten gegenüber Obdachlosen aufmerksam macht und das Thema in der öffentlichen Debatte präsent hält. Das Magazin schafft eine Brücke zwischen Verkäufer:innen, Leser:innen und Gesellschaft – und sorgt dafür, dass ihre Kämpfe nicht in Vergessenheit geraten.
Der Auflagenrückgang bedroht eine entscheidende Einkommens- und Würdequelle für obdachlose Menschen. Zwar bieten digitale Alternativen und neue Finanzierungsmodelle etwas Entlastung, doch das langfristige Überleben von Projekten wie "fiftyfifty" hängt davon ab, sowohl die finanziellen Herausforderungen als auch die gesellschaftlichen Einstellungen zu ändern. Bis dahin bleibt das Magazin ein Ort der Struktur, der Sichtbarkeit und der Stimme für diejenigen, die sie am dringendsten brauchen.