Autogipfel im Kanzleramt enttäuscht: Branche fordert klare Perspektiven und Planungssicherheit
Marie SimonAutogipfel im Kanzleramt enttäuscht: Branche fordert klare Perspektiven und Planungssicherheit
Kritiker zufolge blieb ein kürzlich im Kanzleramt abgehaltenes Spitzentreffen zentrale Branchenfragen unbeantwortet. Das Treffen, das die Herausforderungen der deutschen Automobilindustrie bewältigen sollte, enttäuschte viele – darunter auch Gerlinde Steingrüber, Vorsitzende der MIT (Mittelstands- und Wirtschaftunion). Sie betonte, die Branche brauche Planungssicherheit und klare Perspektiven, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die deutsche Fahrzeugproduktion sank 2022 auf etwa 3,4 Millionen Einheiten – ein Rückgang um 26 Prozent im Vergleich zu 2019. Hauptgründe waren Lieferengpässe bei Vorprodukten sowie stark gestiegene Energie- und Rohstoffkosten.
Die MIT Solingen übt scharfe Kritik an der „Strategieplattform Transformation der Automobil- und Mobilitätswirtschaft“ der Bundesregierung. Steingrüber hatte sich pragmatische, ideologiefreie Entscheidungen erhofft, doch das Gipfeltreffen habe genau das Gegenteil erreicht. Zudem unterstrich sie, dass der individuelle Verkehr – nicht nur im ländlichen Raum – unverzichtbar bleibe. Eine Gegenüberstellung von Stadt und Land sei kontraproduktiv.
Auch die Elektromobilitätsstrategie der Ampelkoalition stand in der Kritik. Gegner argumentieren, sie untergrabe Klimabemühungen und schwäche den Industriestandort Deutschland. Steingrüber forderte, E-Fuels als gleichwertige Alternative anzuerkennen, und plädierte für vielfältige Mobilitätslösungen, einschließlich moderner Verbrennungsmotoren.
Der Gipfel konnte die wirtschaftlichen Sorgen der Branche nicht lindern, geschweige denn den Auftragsrückgang stoppen. Die deutsche Automobilindustrie steckt weiterhin in der Krise: Die Produktion geht zurück, die Kosten steigen. Die Debatte über Mobilitätskonzepte und die richtige Regierungsstrategie bleibt ungelöst.
